Stolpersteine

Projektarbeit im Wahlpflichtfach Geschichte

Unsere Arbeit im Wahlpflichtfach ist eine sich ständig entwickelnde Projektarbeit. Wir haben das Ziel, Geschichte aus unserem direkten Umfeld zu erfahren, mit unseren Nachbarn und Anwohnern zu teilen und wollen einen Beitrag dazu leisten, dass Geschichte nicht vergessen wird, dass sie einen Bezug zu unserer Welt heute hat und dass wir Antisemitismus, Rassismus und Extremismus jeder Form entschieden entgegentreten werden.

Vor drei Jahren waren Schülerinnen und Schüler im Wahlpflichtfach Geschichte auf Spurensuche und haben den Stolperstein für Max Katz gefunden. Max war ein 20jähriger Jude aus Guxhagen, der mit seiner Familie nach Berlin floh. Neun Tage vor seinem 21. Geburtstag beging Max am 6. Mai 1941 Selbstmord, um der Deportation zu entgehen. Sein letzter freiwilliger Wohnort war in der Dieffenbachstraße, der Straße unserer Schule, mitten im Graefekiez.

Wir haben die wenigen Informationen, die es über Max gibt, zusammengetragen und dabei festgestellt, dass Max Katz auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee begraben wurde. Ganz sicher wurde er ohne einen Grabstein beerdigt, ziemlich sicher ohne eine Zeremonie. Zusammen mit Nachbarn, Spendensammelaktionen im Kiez und in der Schule, sowie einer großzügigen Förderung der Szloma-Albam-Stiftung haben wir Max einen Grabstein geschenkt. Im Dezember 2018 wurde dieser Grabstein durch den Rabbiner Andreas Nachama geweiht und eine Zeremonie durch uns musikalisch und künstlerisch gestaltet.

Regelmäßig im Mai, dem Geburts- und Todesmonat von Max Katz, sowie im November zur Erinnerung an die Novemberpogrome 1938 putzen wir seitdem die Stolpersteine in unserer Straße und Umgebung. Außerdem haben wir eine mobile Ausstellung auf Roll-Ups erstellt. So können wir mit unseren Nachbarn ins Gespräch kommen und ihnen das erzählen, was wir wissen.

Dieses Jahr ist die Gruppe des Wahlpflichtfaches das erste Mal nach Guxhagen zu einer Forschungsreise aufgebrochen. Vor Ort haben wir recherchiert und in Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Breitenau den Hauptpart der Gedenkveranstaltung in der ehemaligen Synagoge in Guxhagen gestaltet. Dabei haben wir in einer Präsentation von unserer Recherche und unseren Aktionen berichtet. Vor Ort zu arbeiten hat uns die Dimensionen der Grausamkeit der Vernichtung der europäischen Juden noch einmal ganz anders vor Augen geführt. Wir wollen diese Vergangenheit begreifen, weil sie auch viel mit uns zu tun hat: Wir wollen, dass sich alle daran erinnern, dass wir in Deutschland Grundrechte haben, die immer und unter allen Umständen gelten. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das bedeutet auch, dass wir alle gleich viel wert sind, egal, ob wir Atheisten, Christen, Juden, alevitische, sunnitische, schiitische Muslime sind oder Angehörige einer anderen Glaubensgemeinschaft. Kein Mensch ist wegen einer tatsächlichen oder vermeintlichen Gruppenzugehörigkeit anderen überlegen. Es geht darum, dass wir miteinander leben und es aushalten können, dass Menschen unterschiedlich sind.